Digitale Souveränität: Wo die Autonome Provinz Bozen – Südtirol die eigene Zukunft selbst gestalten kann
Praxisnahe Gebrauchsanleitung für Kommunen, um KI-Projekte zu bewerten und umzusetzen. Souveräne Wissensagenten-Plattform: Wissen erschließen, KI-Agenten selbst bauen und dabei Prozess- und Faktenwissen sicher speichern
Seit 1972 verfügt Südtirol über weitreichende Verwaltungs- und Gesetzgebungsautonomie. Doch was bedeutet Autonomie, wenn digitale Infrastrukturen, Cloud-Dienste und Daten längst nicht mehr an Landesgrenzen haltmachen? Dieser Frage ist Fraunhofer FOKUS im Auftrag der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, vertreten durch die Agentur für ein digitales Südtirol (ADAS) und der Landesabteilung Informatik, nachgegangen. Grundlage der Untersuchung waren eine Dokumentenanalyse, Interviews mit zentralen Akteuren – darunter der Landeshauptmann – sowie Workshops mit Expert*innen aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Im Mittelpunkt stand die Datenhoheit: die Fähigkeit, Daten eigenständig zu erfassen, zu nutzen und vor fremdem Zugriff zu schützen.
Fortschritte und offene Fragen in fünf Themenfeldern
Die Studie untersucht fünf Bereiche: IKT-Infrastruktur, digitale Verwaltung, digitale Dienstleistungen, digitale Kultur und Innovationsökosysteme. Sie zeigt, dass Südtirol in vielen Bereichen bereits aktiv ist und benennt weiteren Handlungsbedarf.
Beim Breitbandausbau empfiehlt die Studie etwa eine landesweite Bedarfsplanung. Auch für Cloud-Dienste und Cybersicherheit sieht sie Bedarf an eigenständigen Strategien, um die Kontrolle über digitale Ressourcen zu stärken.
In der digitalen Verwaltung erschweren demografischer Wandel und Fachkräftemangel den Aufbau von IT-Kompetenzen. Zudem empfiehlt die Studie ein eigenständiges Ressort für Digitalisierung. Auch Open-Source-Software kann ihre Vorteile ohne ausreichende Fachkräfte und stabile Finanzierung nur eingeschränkt entfalten.
Bei digitalen Dienstleistungen bleibt die Mehrsprachigkeit eine Herausforderung, da national bereitgestellte Dienste das Recht auf die Verwendung der deutschen Sprache oft nicht automatisch berücksichtigen. Gleichzeitig sieht die Studie Potenzial in der stärkeren Nutzung bestehender Open-Data-Plattformen. Für die Innovationsökosysteme empfiehlt sie unter anderem eine eigenständige KI-Strategie und eine Einbindung kleiner Unternehmen in das öffentliche Beschaffungswesen.
Was das für Südtirol bedeutet
Digitale Souveränität hat konkrete Auswirkungen auf die Sicherheit kritischer Daten, die Qualität digitaler Bürgerdienste und die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Unternehmen. Die Studie verdeutlicht, dass dafür neben technologischer Offenheit auch technische Kompetenzen, verlässliche Finanzierung und eine klare strategische Ausrichtung erforderlich sind.
Eine begleitende rechtliche Analyse durch die von der Abteilung Informatik finanzierten Forschungsarbeit »DigiImpact – Digitalisierung und Autonomie Südtirols« kommt zu dem Ergebnis, dass die formulierten Handlungsempfehlungen grundsätzlich mit den gesetzgeberischen und verwaltungsrechtlichen Zuständigkeiten der Provinz vereinbar sind. Bei der Umsetzung einzelner Empfehlungen, etwa im Bereich Datenschutz oder digitale Identität, sind jedoch staatliche und europäische Vorgaben zu berücksichtigen.
Digitale Souveränität im Dialog
Bei einer aktuellen Veranstaltung des Landes Südtirol zur digitalen Souveränität präsentierten Jana Plomin und Stefanie Hecht die Ergebnisse der Untersuchung von Fraunhofer FOKUS. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Handlungsspielräume Südtirol nutzen kann, um seine digitale Souveränität zu stärken. Die vorgestellten Ergebnisse greifen dabei zentrale Erkenntnisse aus der gemeinsam mit Südtiroler Akteuren durchgeführten Untersuchung auf.
Der Beitrag von Fraunhofer FOKUS
Fraunhofer FOKUS hat die Untersuchung konzipiert, durchgeführt und ausgewertet. In den Workshops brachten Expertinnen und Experten des Instituts ihre Expertise zu Breitbandinfrastruktur, Verwaltungsdigitalisierung und Innovationsökosystemen ein. Aus den Ergebnissen wurden strategische Handlungsempfehlungen abgeleitet, die die Autonome Provinz Bozen – Südtirol dabei unterstützen sollen, seine digitale Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.
Die Studie »Souveränität im Digitalen – Autonome Provinz Bozen–Südtirol« wurde von Fraunhofer FOKUS im Auftrag der Autonomen Provinz Bozen erstellt.
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