Fraunhofer FOKUS treibt die nächste Generation von Notrufsystemen voran

Telekommunikationsnetze sind nach wie vor das Rückgrat für Notrufdienste. Sie werden sowohl für die täglichen Einsätze der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste als auch für die Kommunikation zwischen Einsatzkräften genutzt. Mit der Einführung von Next Generation 112 (NG112) steht nun ein grundlegender Wandel bevor.

Telefon in einer Leitstelle
© Matthias Heyde / Fraunhofer FOKUS

Zukünftig werden sprachbasierte Notrufsysteme durch IP-basierte Rettungsdienstsysteme ersetzt, die robuster sind und mehr Funktionen bieten. So ermöglicht NG112 beispielsweise die Übertragung von Textnachrichten in Echtzeit, das Versenden von Bildern und Videos sowie eine präzisere Standortübermittlung. Auch die Integration von Sensordaten, wie z. B. von Smartwatches, wird möglich. Damit schaffen NG112-Systeme eine leistungsfähige Basis für eine schnellere und effektivere Notfallversorgung.

Neue Anforderungen für Leitstellen und Netzinfrastrukturen

Die Umstellung auf NG112 bringt jedoch nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch technologische Herausforderungen mit sich. Ein zentraler Bestandteil ist das sogenannte Emergency Services IP Network (ESInet), das unter anderem für die Weiterleitung von Notrufen, die Bereitstellung von Standortdaten und die Zuverlässigkeit der Infrastruktur verantwortlich ist. Aus Sicht der Notrufzentralen gibt es drei unterschiedliche Optionen für die Implementierung eines ESInet:

  • Eigenbetrieb: Bei diesem Modell sind die Notrufzentralen für alle Aspekte des Betriebs verantwortlich – von der Bereitstellung von Hardware und Software bis hin zu Betrieb, Wartung, Netzwerküberwachung, Fehlerbehebung und Sicherheit. Dabei haben sie die volle Kontrolle, benötigen jedoch auch spezialisiertes Personal.
  • Kommerzieller Betrieb: In diesem Fall beauftragen Notrufzentralen Netzbetreiber und NG112-Systemanbieter mit der Bereitstellung des ESInet. Dies entlastet die Notrufzentralen, ermöglicht im Falle eines Problems jedoch auch weniger Einblick in das ESInet.
  • Hybrides Modell: Hierbei werden Eigenbetrieb und kommerzieller Betrieb kombiniert. Auch in diesem Fall benötigen Notrufzentralen qualifiziertes Personal, um das Netzwerk zu betreiben und dessen Sicherheit zu gewährleisten.  

Interoperable NG112-Lösungen

Fraunhofer FOKUS arbeitet an der Entwicklung und Implementierung von End-to-End-Lösungen für NG112. Ein besonderer Fokus der Entwicklungsarbeit liegt auf der Interoperabilität der Lösungen. Mit der Teilnahme an internationalen NG112-Plugtests konnte FOKUS die Kompatibilität eigener Komponenten mit bestehenden Industrielösungen erfolgreich nachweisen. Mit seinen Aktivitäten unterstützt Fraunhofer FOKUS insbesondere Notrufzentralen und Netzbetreiber bei der schrittweisen Einführung von NG112. Gleichzeitig werden Hersteller bei der Entwicklung interoperabler und standardkonformer Lösungen unterstützt.

Langfristig strebt Fraunhofer FOKUS eine zentrale Rolle bei der Definition und Etablierung eines NG112-Zertifzierungsprogramms an und will damit maßgeblich die Standardisierung der nächsten Generation von Notrufsystemen mitgestalten.

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