eduCheck

Prüfung von digitalen Bildungsmedien mit eduCheck digital

eduCheck digital ist ein Projekt, das im Auftrag der 16 Länder rechtliche und technische Standards sowie ein dazugehöriges Prüfverfahren für digitale Bildungsmedien entwickelt. Ziele des Projekts sind daher (1) definierte Qualitätsstandards in den einzelnen Prüfbereichen zu erarbeiten und (2) die Machbarkeit eines ländergemeinsamen Prüfverfahrens zu testen. Die Prüfbereiche umfassen dabei Recht & Datenschutz, IT‑Sicherheit & Technik, Interoperabilität, Barrierefreiheit und den Einsatz von KI. Durch eine Medienklassifizierung können Anbieter klären, welche Prüfkriterien für ihr Produkt relevant sind; diese werden anschließend anhand definierter Tests überprüft. Das durch den DigitalPakt Schule finanzierte länderübergreifende Vorhaben wird durch das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gGmbH (FWU) koordiniert. Perspektivisch soll die Prüfung im Rahmen von eduCheck digital Orientierung für Ministerien, Lehrkräfte sowie Schulträger aber auch für Lernende oder Eltern bieten. Dafür soll ein verlässlicher, transparenter und standardisierter Prüfprozess für Medienanbieter entstehen.

Prüfbereich „Interoperabilität“

Ein zentraler Bestandteil der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des Fraunhofer FOKUS ist die konzeptionelle Entwicklung von Prüfkriterien im Bereich „Interoperabilität“. Dabei untersuchen wir systematisch bestehende Standards und technische Spezifikationen, um herauszuarbeiten, welche Anforderungen sich für eine spätere automatisierte Prüfung eignen. Diese setzen wir in einem Test-Framework, bestehend aus Testsuite und Testszenarien, um. Unsere Erfahrung aus vielen Projekten ermöglicht es uns, praxisnahe Kriterien zu formulieren, die sowohl technologisch fundiert als auch in realen Bildungsinfrastrukturen anschlussfähig sind.

Prozess der Testsuite

Die Architektur der Testsuite beschreibt ein modular aufgebautes System zur Durchführung und Auswertung von Testszenarien. Ziel ist es, Tests entlang der Prüfkriterien aus eduCheck digital strukturiert abzubilden und flexibel an unterschiedliche Anforderungen anzupassen.

Figure 1: Automated testing process for eduCheck digital
© Fraunhofer FOKUS
Figure 1: Automated testing process for eduCheck digital

Die Testsuite unterstützt nativ verschiedene Arten von Testszenarien:

  • Menschengestützte clientseitige Tests, bei denen bewusstes Nutzerhandeln erforderlich ist
  • Automatisierte Client-Tests, bei denen Web-Applikationen mithilfe von Testautomatisierungs-Frameworks gemäß den Testszenarien End-to-End bzw. per Distributed Execution getestet werden
  • Serverseitige Tests, die Backend-Schnittstellen und Datenstrukturen auf Korrektheit und Konformität prüfen

Die Architektur ist erweiterbar ausgelegt: Weitere Testserver können flexibel angebunden werden. Dafür ist eine dynamische Verwaltung der angebundenen Systeme vorgesehen, die die Durchführung und Weiterleitung von Tests effizient steuert.

Ein zentraler Bestandteil der Testsuite ist die Speicherung und Auswertung der Testergebnisse. Perspektivisch ist vorgesehen, diese in unterschiedlichen Formaten bereitzustellen, um eine vielseitige Nutzung zu ermöglichen.

Die Einsatzszenarien reichen von Debugging und Qualitätssicherung in der Entwicklung bis hin zur umfassenden Prüfung von Compliance-Anforderungen.

Architektur der Testsuite

Ausgangspunkt aller Testprozesse ist der Test Criteria Manager (TCM). In ihm werden die Tests und Testsequenzen definiert und verwaltet. Auf Basis dieser Sequenzen werden die benötigten Eingabeparameter erfasst, geprüft und in eine technisch ausführbare Teststruktur überführt. Auf diese Weise entstehen standardisierte Testartefakte, sogenannte Aufgaben, die fachliche Anforderungen in konkrete technische Abläufe übersetzen. Die eigentlichen Testskripte können entweder direkt im TCM hinterlegt sein oder in angebundenen Services verbleiben. In letzterem Fall übernimmt der TCM vor allem die Steuerung der Parameter sowie die Zuordnung der Tests zu den jeweils zuständigen Ausführungsservices.

© Fraunhofer FOKUS

Die Verteilung und Steuerung der Testabläufe erfolgt über den Dynamic Service Handler. Er sorgt dafür, dass jede Testsequenz an den passenden Service weitergeleitet wird. Dabei können unterschiedliche Arten von Tests parallel unterstützt werden. So lassen sich beispielsweise manuelle Tests integrieren, bei denen Nutzerinnen und Nutzer Schritt für Schritt durch definierte Testabläufe geführt werden. Gleichzeitig können automatisierte Tests umgesetzt werden, etwa für die Überprüfung von APIs oder Systemstrukturen, die vollständig serverseitig und ohne direkten Nutzereingriff ablaufen.

Ein clientseitiger-automatisierter Testlauf, im eduCheck digital-Kontext, wird durch ein Testautomatisierungs-Framework wie Playwright oder Appium durchgeführt. Dieses übergibt die erforderlichen Eingabedaten an den Reference Interoperability Client (RIC), der anschließend überprüft, ob die definierten Standards und Kriterien eingehalten werden. Gleichzeitig stellt der RIC die Ergebnisse visuell dar, einschließlich Protokollen, Screenshots und weiterer Artefakte, sodass der Testlauf transparent nachvollzogen werden kann. Diese Informationen werden anschließend durch das Test-Framework strukturiert aufbereitet und weiterverarbeitet.

Für die abschließende Verarbeitung der Testergebnisse ist der Test Protocol Manager (TPM) zuständig. Er übernimmt die Aufgabe, alle erhobenen Daten in ein standardisiertes und weiterverwendbares Format zu überführen. Die Ergebnisse werden in einer Datenbank gespeichert und bilden die Grundlage für Auswertungen und zukünftige Analysen. Perspektivisch ist zudem vorgesehen, die Testergebnisse in unterschiedlichen Formaten exportieren und einfach bereitstellen zu können.

Wir freuen uns, an diesem spannenden Projekt mitzuwirken.

Gefördert durch

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