Policy Brief »Regieren mit KI«

Governance entscheidet über KI-Erfolg – nicht die Technologie

KI ist keine Abkürzung zur Modernisierung der Verwaltung – das betont der Policy Brief »Regieren mit KI – Aufbau einer transformativen und resilienten öffentlichen Verwaltung«, der Anfang des Jahres zunächst in englischer Sprache veröffentlicht wurde und nun auch in deutscher Fassung vorliegt. Der Fachbericht international führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Forschung und Hochschule macht deutlich: Ohne institutionelle Reformen, klare Governance und ausreichende Kompetenzen kann KI bestehende Probleme eher verschärfen als lösen.

Person mit Tablet sitzt vor dem Kanzleramt in Berlin
© Philipp Plum / Fraunhofer FOKUS
KI‑Anwendungen treffen auf staatliche Strukturen – über ihren Erfolg entscheiden Governance und institutionelle Rahmenbedingungen.

Künstliche Intelligenz hält weltweit Einzug in die öffentliche Verwaltung – rund 70 Prozent der Länder geben laut Policy Brief »Regieren mit KI« heute an, KI zur Verbesserung interner staatlicher Prozesse einzusetzen, und ein Drittel nutzt sie zur Unterstützung von Politikgestaltung und -umsetzung. Beispiele reichen von Kanada, wo eine KI‑Plattform 11.000 Beiträge einer öffentlichen Konsultation zur Aktualisierung der KI‑Strategie übersetzte und zusammenfasste, bis zu KI‑gestützten Chatbots in Singapur zur Effizienzsteigerung öffentlicher Dienste. Einzelne Regierungen prüfen bereits, ob KI nicht nur unterstützend, sondern sogar als Ersatz für zentrale staatliche Funktionen genutzt werden könnte. Doch rund 80 Prozent der KI-Projekte scheitern – ein Hinweis darauf, dass technologische Einführung allein nicht ausreicht.

Governance, Kapazitäten und Machtbalance

Die Autorinnen und Autoren des Policy Briefs ordnen den Erfolg von KI im öffentlichen Sektor primär als Governance‑Frage ein. Das internationale Autorenteam, bestehend aus renommierten Forschungseinrichtungen und Universitäten, umfasst unter anderem die University of Cambridge, die Université de Montréal und die Harvard University (Berkman Klein Center) sowie das Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) am Fraunhofer‑Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS. Ausschlaggebend seien vor allem institutionelle Kapazitäten, Rechenschaftsmechanismen, das Kräfteverhältnis gegenüber Anbietern sowie Resilienzplanung. Empfohlen wird daher ein problemorientierter Ansatz, bei dem öffentliche Dienste zunächst entlang konkreter Nutzerbedürfnisse neugestaltet werden, bevor Automatisierung erfolgt. Parallel dazu sollen Schulungen und crossfunktionale KI‑Support‑Teams Behörden über den gesamten KI‑Lebenszyklus unterstützen.  

Von Empfehlungen zur Umsetzung

Vor diesem Hintergrund formuliert der Policy Brief vier eng miteinander verknüpfte Handlungsansätze für den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Staat:

Erstens: Es sollen öffentliche Leistungen konsequent an realen Nutzerbedürfnissen und administrativen Problemen ausgerichtet und neugestaltet werden, bevor Prozesse automatisiert oder KI‑Systeme eingeführt werden. KI dürfe nicht bestehende Routinen beschleunigen, sondern müsse in reformierte, faire und nachvollziehbare Abläufe eingebettet sein.

Zweitens: Gezielte Weiterbildungsangebote und der Aufbau crossfunktionaler KI‑Support‑Teams sollen Behörden über den gesamten Lebenszyklus von KI‑Anwendungen unterstützen – von der Auswahl geeigneter Einsatzfelder bis zur laufenden Bewertung und Anpassung. Ziel ist es, technologische, rechtliche und organisatorische Kompetenzen dauerhaft in der Verwaltung zu verankern.

Drittens: Der Bericht adressiert Machtasymmetrien gegenüber großen Technologieanbietern. Durch verstärkte Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen und kooperativen Beschaffungsmodellen könnten Transparenz, Audit‑Rechte und Datenportabilität besser durchgesetzt sowie langfristige Abhängigkeiten und Vendor‑Lock‑in vermieden werden.

Viertens: Der Policy Brief empfiehlt den Aufbau eines »Trust Stacks« für KI im öffentlichen Sektor. Transparenz über den KI‑Einsatz, wirksame Anfechtungs‑ und Korrekturmechanismen, klare Verantwortlichkeiten, unabhängige Aufsicht sowie Vorsorge für Störungen und Ausfälle sollen Vertrauen und staatliche Handlungsfähigkeit sichern.

Fazit: Der Policy Brief »Regieren mit KI« macht damit deutlich, dass digitale Souveränität und Vertrauen sich nicht allein technisch herstellen lassen, sondern eine strategische und organisatorische Verankerung von KI im Staat erfordern. 

Diese Erkenntnisse des Policy Briefs korrespondieren mit der Arbeit des Fraunhofer FOKUS, an dem Konzepte und Technologien für leistungsfähige, resiliente und vertrauenswürdige digitale Verwaltungsstrukturen in konkrete Anwendungen überführt werden – von interoperablen IT-Architekturen über sichere Plattformen bis hin zu Governance-Modellen für den öffentlichen Sektor. 

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