ThemenRadar
KI im Verwaltungsalltag angekommen – Deutschland Stack weiter erklärungsbedürftig
Generative Künstliche Intelligenz (KI) ist in der öffentlichen Verwaltung angekommen: Nur noch 18 Prozent der öffentlich Beschäftigten, die sich an der Umfrage zum ThemenRadar 2026 beteiligt haben, nutzen generative KI Tools derzeit gar nicht. Fast die Hälfte hingegen erhält sie bereits offiziell von ihrer Organisation. Das zeigt der ThemenRadar 2026, eine jährliche Umfrage des Kompetenzzentrums Öffentliche IT (ÖFIT) am Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Kooperation mit dem Behörden Spiegel. Erste Ergebnisse wurden am Mittwoch, den 4. März 2026 auf dem Kongress Digitaler Staat 2026 in Berlin vorgestellt.
Die Umfrage fand vom 13. Februar bis 28. Februar 2026 statt. An ihr beteiligten sich insgesamt 341 Teilnehmende aus Kommunal‑, Landes‑ und Bundesverwaltung sowie aus Wirtschaft, Forschung, Politik und Zivilgesellschaft. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der Verwaltungsdigitalisierung.
Die zentralen Ergebnisse im Überblick:
- Generative KI ist im Arbeitsalltag angekommen:
Nur noch 18 Prozent der befragten öffentlich Beschäftigten nutzen derzeit keine generativen KI‑Tools. Fast 44 Prozent erhalten generative KI‑Anwendungen bereits offiziell von ihrer Organisation – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. - KI steigert vor allem Tempo und Problemlösung:
Beschäftigte berichten, dass generative KI insbesondere die Geschwindigkeit der Bearbeitung und die Inspiration bei der Problemlösung verändert. Aspekte wie Arbeitsfreude, Ergebnisqualität oder emotionale Unterstützung spielen eine deutlich geringere Rolle. - Einführung von KI erfolgt überwiegend »sanft«:
Die Bereitstellung von KI‑Tools wird meist durch Leitfäden, Fortbildungen und Ermutigung zur Nutzung begleitet. Verpflichtende Tests oder Nutzungszwang sind die Ausnahme – und offenbar auch nicht notwendig, um Akzeptanz zu erreichen. - Deutschland‑Stack: hohe Aufmerksamkeit, große Ungewissheit:
Der Deutschland‑Stack wird als potenziell wichtig eingeschätzt. Zugleich gibt es einen auffallend hohen Anteil an Befragten, die seine Auswirkungen aktuell nicht bewerten können. Insgesamt zeigt sich ein verhalten optimistisches, aber noch unscharfes Erwartungsbild. - Digitale Transformation bleibt gefühlt langsam:
Begriffe wie »langsam«, »schleppend« oder »träge« dominieren weiterhin die Gesamtwahrnehmung der Verwaltungsdigitalisierung. Gleichzeitig berichten viele Befragte von konkreten Fortschritten im Arbeitsalltag. - Viele kleine Fortschritte statt des großen Durchbruchs:
Positive Erfahrungen beziehen sich vor allem auf digitale Verfahren wie Wohnsitzanmeldung oder iKfz, auf die elektronische Akte, Prozessoptimierungen, den KI‑Einsatz sowie auf die Registermodernisierung. - Langläufer‑Themen bis 2030 und darüber hinaus:
Als dauerhaft besonders relevant gelten unter anderem KI, Cyber‑ und Informationssicherheit, Datenmanagement, digitale Souveränität, Verfahrensautomatisierung, Ebenen-übergreifende Zusammenarbeit, Resilienz und Bürokratierückbau. - Durchstarter mit wachsender Bedeutung:
Themen wie eID / EUDI‑Wallet, Registermodernisierung, Cloud, digitaltaugliches Recht und das Open‑Source‑Software‑Ökosystem stehen laut Befragten vor einem deutlichen Bedeutungszuwachs.
Insgesamt zeichnet der ThemenRadar 2026 ein ambivalentes Bild: Die Verwaltung ist in vielen Bereichen weiter als es die öffentliche Debatte vermuten lässt. Gleichzeitig bleibt der große strukturelle Durchbruch aus. Besonders deutlich wird der Gegensatz zwischen kritischem Blick auf die digitale Transformation und pragmatischen Fortschritten im Alltag.
Die aktuellen Ergebnisse des ThemenRadars 2026 werden online veröffentlicht: https://www.oeffentliche-it.de/themenradar/
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