Zertifizierungsrichtlinien für Software-Hersteller (Scrum)

Certification Guidelines for Software Developers using Scrum, kurz: CertGuideScrum

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Ausgangslage & Aufgabe

Agile Methoden wie Scrum prägen heute große Teile der Softwareentwicklung. Gleichzeitig sind Sicherheitszertifizierungen nach Common Criteria (CC) ein zentraler Baustein für Vertrauen in IT-Produkte – in Deutschland, Europa und weltweit.

Zwischen beiden Welten entsteht jedoch ein gewisses Spannungsverhältnis: Die CC-Zertifizierung folgt in ihrer Struktur und ihren Anforderungen klassischerweise dem Wasserfallmodell. Sie setzt auf eine eher lineare Abfolge, bei der eine klar definierte Produktbeschreibung (Security Target) und festgelegte Sicherheitsfunktionen die Basis für umfangreiche, statische Nachweise bilden.

Agile Entwicklungsprozesse hingegen sind auf Evolution ausgelegt. Sie setzen auf kurze Sprints, flexible Planung und schlanke Dokumentation, die mit dem Produkt wächst. Der eher starre Dokumentations- und Prüfungsansatz der Common Criteria trifft auf die dynamische Realität von Scrum.

Dadurch stellt sich die Frage: Wie können IT-Sicherheitsprodukte, die agil (insb. mit Scrum) entwickelt werden, effizient und sicher nach Common Criteria zertifiziert werden – ohne unnötigen Mehraufwand und ohne Qualitätseinbußen? Diese Frage soll Fraunhofer FOKUS im Projekt »CertGuideScrum« für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beantworten.

 

Lösungsansatz und technische Umsetzung

Im Projekt untersucht Fraunhofer FOKUS, wie agile Entwicklungsprozesse – insbesondere Scrum – mit der Sicherheitszertifizierung nach Common Criteria in Einklang gebracht werden können.

Zentrale Ziele sind:

  • Herausforderungen und Barrieren bei der CC-Zertifizierung von agil entwickelten IT-Produkten zu identifizieren sowie
  • die Potenziale agiler Methoden im Zertifizierungskontext sichtbar zu machen
  • praxisnahe Developer Guidelines zu erarbeiten, die Hersteller und Prüfstellen bei Zertifizierungen unterstützen.

Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, dass moderne Entwicklungsansätze und etablierte Sicherheitsstandards besser zusammenfinden und sich gegenseitig stärken. Um das erforderliche Wissen zu generieren, setzt das Fraunhofer-Team dabei sowohl auf qualitative Interviews mit Herstellern und Prüfstellen zu praktischen Erfahrungen, Problemen und erfolgreichen Lösungswegen, als auch auf die systematische Auswertung bestehender Studien und Fachliteratur. Aus diesen Ergebnissen werden Best Practices und Handlungsempfehlungen abgeleitet, wie agile Entwicklungsprozesse so gestaltet werden können, dass die für CC erforderlichen Nachweise effizient erzeugt und bereitgestellt werden.

Zentrales Ergebnis des Projekts werden Developer Guidelines für die CC-Zertifizierung von IT-Produkten sein, die mit agilen Methoden entwickelt werden. Diese Richtlinien sollen:

  • typische Herausforderungen im Zusammenspiel von Scrum und CC benennen,
  • konkrete Lösungsstrategien zur Bereitstellung der notwendigen Nachweise beschreiben,
  • die Vorteile agiler Methoden im Rahmen von Zertifizierungen herausarbeiten,
  • Herstellern helfen, Zertifizierungsprozesse von Beginn an mitzudenken und
  • Prüfstellen dabei unterstützen, agile Projekte besser einzuordnen und zu bewerten.

CertGuideScrum wird damit einen Beitrag dazu leisten, dass Sicherheitszertifizierungen nach Common Criteria für moderne Entwicklungsmodelle geöffnet werden – ohne das Sicherheitsniveau zu senken, aber mit mehr Effizienz, Transparenz und Praxistauglichkeit.