Ausgangslage
Die koordinierte Versorgung Verletzter in Krisenlagen – von einem akuten Massenanfall von Verletzten (MANV) bis zu langanhaltenden Krisensituationen – erfordert die Echtzeiterfassung und sektorenübergreifende Steuerung medizinischer Ressourcen – von Betten- und OP-Kapazitäten über Blutprodukte bis zu Sterilisationskapazitäten und Personal. Bestehende Systeme im Gesundheitswesen arbeiten jedoch weitgehend isoliert, sind nicht interoperabel und nicht auf die besonderen Anforderungen von Krisenszenarien ausgelegt. Es fehlt an Konzepten, die heterogene Datenquellen in einem föderierten System zusammenführen und auch unter Krisenbedingungen – etwa bei gestörter Kommunikationsinfrastruktur – resilient funktionieren.
Ziel
REAKT entwickelt eine digitale, interoperable Plattform, die kritische medizinische Ressourcen, Patientenströme und Lieferketten in Krisenlagen sektorübergreifend in Echtzeit sichtbar macht. Ziel ist eine Lösung, die nicht nur technisch funktioniert, sondern gemeinsam mit Kliniken, Behörden und Industrie entwickelt und in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden kann – als Proof of Concept im TraumaNetzwerk Berlin entwickelt und perspektivisch skalierbar über die bundesweiten Traumanetzwerke der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V.
Vorgehen und Beitrag von Fraunhofer FOKUS
Fraunhofer FOKUS verantwortet den methodisch-technischen Kern des Vorhabens:
- Konzeption eines föderierten, interoperablen Ökosystems, das heterogene Datenquellen aus Gesundheitswesen und Bevölkerungsschutz krisenfest zusammenführt
- Modellierung und Simulation resilienter 5G-Kommunikationsnetze als Digital Twin, um Ausfallszenarien und alternative Kommunikationspfade – etwa Satellitenverbindungen – zu untersuchen
- Entwicklung einer gekoppelten Simulationsumgebung, die Patientenströme, Ressourcenverfügbarkeit und Infrastruktur in einem konsistenten Gesamtmodell abbildet
- Immersive Darstellung ausgewählter Simulationsszenarien im neu gestalteten SIRIOS Lab als Ort für Forschung, Demonstration und Transfer gegenüber Kliniken, Behörden, Wirtschaft und Politik
Innovationen und Perspektiven
Bislang existiert im deutschen Gesundheitswesen kein Ansatz, der heterogene Datenquellen aus Kliniken, Bevölkerungsschutz und medizintechnischer Logistik systematisch in einem föderierten, krisenfesten Ökosystem zusammenführt. REAKT verfolgt hier einen neuen Weg, indem Interoperabilität, Datensouveränität und Resilienz von Beginn an gemeinsam gedacht werden. Wie die Plattform im Detail aussehen wird, ist Teil der Forschungsarbeit und wird im Projektverlauf gemeinsam mit den Partnern erarbeitet.
Nach dem Proof of Concept im TraumaNetzwerk Berlin ist perspektivisch eine Übertragung auf weitere Traumanetzwerk-Kliniken der DGU sowie auf andere Krisenszenarien wie Pandemien, Infektionslagen oder die Versorgung Schwerbrandverletzter denkbar.