Kleine Orte können auf Breitbandanbindung hoffen

Meldung vom Mo., 06. Mai 2013

Am 6. Mai 2013 wird das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) in St. Augustin (bei Bonn) einen neuen 17 m hohen Funkturm im Hennefer Ortsteil Söven aufstellen, der eine Richtfunkstrecke zwischen entsprechenden Anlagen in Uckerath-Lichtenberg und Königswinter-Jüngsfeld ermöglichen wird.

Fraunhofer FOKUS stellt neuen Funkturm für Pilotprojekt auf

Am 6. Mai 2013 wird das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) in St. Augustin (bei Bonn) einen neuen 17 m hohen Funkturm im Hennefer Ortsteil Söven aufstellen, der eine Richtfunkstrecke zwischen entsprechenden Anlagen in Uckerath-Lichtenberg und Königswinter-Jüngsfeld ermöglichen wird. Der Aufbau ist Teil eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Pilotprojekts, in welchem neue Technologien für die Breitband Internet- oder gar Handyanbindung im ländlichen Raum entwickelt und getestet werden.

 Die neue Verbindung wird das Netzwerk ergänzen, das bereits Hennef-Theishohn mit einer 50Mbps Verbindung versorgt, die hier wie andernorts für die Bewohner zunehmend eine Notwendigkeit ist, um bleiben zu können. Denn bei Arbeit und Freizeit sind die Menschen heute immer stärker auf das Internet angewiesen. „Von der Industrie können wir hier allenfalls DSL light, mit etwa 300Kbps bekommen, was heute nicht mehr genug ist, um das Arbeiten zu Hause oder Telefonate über Skype gut zu ermöglichen.“ statiert Jens Mödeker, der in Theishohn wohnt. Im nächsten Schritt wird im Rahmen des Projektes nun Hennef-Blankenbach mit etwa 15 Haushalten angebunden, das ebenso wie Theishohn zurzeit nicht ausreichend versorgt werden kann.

Das generelle Ziel des Projektes und der am Fraunhofer FOKUS in Sankt Augustin entwickelten Technologie ist es, auch kleinen ländlichen Gegenden und Gemeinden eine Technologie und ein Konzept zur Verfügung zu stellen, mit dem sie sich in Zukunft selbst helfen können. Dies betrifft alle Regionen, in denen die Telekommunikationsanbieter aufgrund mangelnden Einnahmepotentials auf lange Sicht nicht aktiv werden. Ebenso bietet es aber auch den Telekommunikationsunternehmen eine effiziente Möglichkeit, ihren Kunden eine bessere Anbindung zu bieten. Für Anwohner in Söven ist besonders interessant, dass die Fraunhofer-Technologie mit extrem geringen Sendeleistungen und sehr stark bündelnden Richtfunkantennen arbeitet. So beträgt die Strahlungsleistung weniger als 1 / 100 einer LTE Basisstation. Dadurch wird im Umfeld des Mastes der Elektrosmog vermieden, welcher sonst oft Anlass für Vorbehalte in der Bevölkerung ist.

Diese „WiBACK“ (Wireless Backhaul) genannte Technologie ist hierzulande und in Italien im Einsatz, hat sich aber auch in Afrika bereits bewährt und kann Orte, Schulen oder Firmen kabellos über große Distanzen (100 km und mehr), solarbetrieben und sehr kostengünstig mit Bandbreiten von aktuell bis zu 100Mbps anbinden. Vor Ort wird dieses Signal schließlich zum Beispiel per WLAN für mehrere Haushalte zugänglich gemacht. Eine Besonderheit des Systems ist dabei das speziell entwickelte Netzwerkmanagement, das u.a. für eine unterbrechungsfreie Übertragung von z.B. Telefon- oder VoIP-Gesprächen sorgt. Somit ist es nicht nur fähig, den Nutzern gute VoIP Qualität zu bieten, sondern ermöglicht auch den großen Handynetz-Betreibern über ein WiBACK ihr Netz auszubauen. So könnten über kleine Funkzellen, genau dort wo sie benötigt werden, die letzten weißen Flecken im Handynetz und Breitbandnetz getilgt und die Menschen und Firmen, die darauf angewiesen sind, in der Region gehalten werden.