Bild mit zwei Personen: Eine Person mit Messgerät auf einer Baustelle, eine Person am Computer, die sich eine 3D-Karte der Baustelle ansieht
Fraunhofer FOKUS arbeitet in CampusOS mit Partnern an offenen, modularen 5G-Campusnetzen für Baustellen. Topcon Deutschland Positioning GmbH

5G-Campusnetze entfalten erst in offener, modularer Form ihr vielseitiges Potenzial 

News vom 27. Nov. 2023

Flexibilität, hohe Innovationskraft und mehr Wettbewerb: Das CampusOS-Konsortium, bestehend aus 22 Partnern aus Industrie und Forschung, hat ein Positionspapier veröffentlicht, das die Vorteile von offenen, modularen Campusnetzen aufzeigt. 

5G-Campusnetze boomen: Aktuelle Analysen gehen bei den Installationen weltweit von einem jährlichen Wachstum von rund 57 Prozent aus.* Momentan werden Campusnetze meist mit der Lösung eines einzelnen Anbieters umgesetzt. Das CampusOS-Konsortium hingegen ist überzeugt, dass offene und modulare Campusnetze durch einen Komponentenmix von mehreren Anbietern viele Vorteile bieten und die Anforderungen von sich immer weiter diversifizierenden Anwendungen erfüllen, und diese erst ermöglichen. Beispielsweise muss das Kommunikationsnetz einer Wanderbaustelle robust gegen Witterungsbedingungen und transportabel sein, die Vernetzung in der Produktion (Maschinen, Intralogistik, Mitarbeiter) stellt dagegen hohe Anforderungen an die Netzverfügbarkeit, schnelle Antwortzeiten, Skalierbarkeit und Sicherheit.

Um den Aufbau solcher Netze voranzutreiben, unterstützt das CampusOS-Konsortium ein sich gerade entwickelndes Ökosystem für 5G-Campusnetze auf Basis offener, modularer Funktechnologien und interoperabler Netzkomponenten. Das Ökosystem enthält einen Baukasten, mit dem je nach Anwendungsfall ein passendes Netz zusammengestellt werden kann. Die Projektgruppe hat nun in einem Positionspapier die Vorteile von Campusnetzen sowie ihre Erfahrungen mit den Herausforderungen wie Kostendruck, Interoperabilität und Komplexität zusammengefasst:

Position 1: Offene und modulare 5G-Campusnetze unterstützen die spezifischen Anforderungen unterschiedlicher Branchen.

Die Flexibilität bei der Auswahl von Hard- und Softwarekomponenten ermöglicht einen optimalen Mix, um die Anforderungen unterschiedlicher Anwendungen zu erfüllen und Skalierbarkeit zu gewährleisten.

Position 2: Offene und modulare 5G-Campusnetze bieten Mechanismen zur Bewältigung der Komplexität über den gesamten Lebenszyklus.

Lösungen zur automatisierten Netzwerkorchestrierung machen komplexe Systeme beherrschbar.

Position 3: Offene und modulare 5G-Campusnetze adressieren neue Märkte und ermöglichen neue Geschäftsmodelle für Zulieferer und Anwender in verschiedenen Branchen.

Der erhöhte Wettbewerb unter den Anbietern führt zu mehr Innovation und höherem Preisdruck.

Position 4: Konsolidierung und Wachstum des Ökosystems treiben die weitere Einführung von offenen und modularen 5G-Campusnetzen voran.

Nicht eine Firma muss die komplette Lösung anbieten. Das ist insbesondere für kleine und mittlere Soft- und Hardwareanbieter ein Vorteil und führt auch zu schnelleren Entwicklungen.

Die beiden Projektkoordinatoren fassen die Publikation wie folgt zusammen:

Prof. Dr. Slawomir Stanczak, Abteilungsleiter Drahtlose Kommunikation und Netze am Fraunhofer HHI und Professor für Netzwerk-Informationstheorie an der TU Berlin sagt: »Der Aufbau eines 5G-Campusnetz-Ökosystems, das auf Disaggregation und offenen Schnittstellen basiert, ist mit vielen Herausforderungen verbunden. Dazu gehören die Gewährleistung der Interoperabilität, die Komplexität der Integration und die Verfügbarkeit der Komponenten. Um diese Herausforderungen zu meistern, sind Tests, Best Practices, Architektur-Blaupausen und öffentliche Demonstrationen unerlässlich. CampusOS bringt diese Elemente zusammen und wird die relevanten Informationen öffentlich zugänglich machen, um einen nahtlosen Übergang zu offenen Campus-Netzarchitekturen und -implementierungen zu ermöglichen.«

Prof. Dr. Thomas Magedanz, Leiter des Geschäftsbereichs Software-based Networks am Fraunhofer FOKUS und Leiter des Lehrstuhls Architektur der Vermittlungsknoten an der TU Berlin, erklärt: »Wir sehen, dass Unternehmen heute nur sehr wenige Möglichkeiten haben, ihre 5G-Campusnetze zu planen, aufzubauen und zu betreiben. Das Angebot und die Akteure in diesem Umfeld sind noch begrenzt. Anpassbare Netzlösungen in Bezug auf Funktionsumfang und Betriebsmodelle werden jedoch zum Schlüssel, um die digitale Transformation effizient und erfolgreich zu bewältigen. Mit den Entwicklungen von CampusOS werden wir deutsche und europäische Unternehmen in die Lage versetzen, dies auf zeit- und kosteneffiziente Weise zu tun.«

Das Positionspapier »How open and modular 5G campus networks can boost application scenarios in vertical market segments« steht kostenlos zur Verfügung, siehe Link in der Box in der rechten Spalte. 

Das CampusOS-Projekt wird geleitet vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) und Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) und besteht aus den Konsortialpartnern: Atesio GmbH, BISDN GmbH, Bosch, brown-iposs GmbH, Deutsche Telekom, EANTC AG, Fraunhofer FOKUS, Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut HHI, GPS GmbH Stuttgart, highstreet technologies, Kubermatic, Node-H GmbH, MUGLER SE, RT Solutions, Rohde & Schwarz, Siemens, Smart Mobile Labs, STILL GmbH, SysEleven GmbH, Topcon Positioning Systems, Technische Universität Berlin, Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) .

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert.


*Quelle: Monitoring Campusnetze, 2023, herausgegeben vom DLR, S. 4.