Prof. Dr. Jörn von Lucke
Fraunhofer FOKUS
Kaiserin-Augusta-Allee 31
10589 Berlin
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One-Stop-Government und das Konzept „Einheitlicher Ansprechpartner“
Ein geplantes Netz „Einheitlicher Ansprechpartner" sowie eine elektronische Verfahrensabwicklung sollen künftig die erforderlichen praktischen Erleichterungen zur Umsetzung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie schaffen. Ein umfassendes Normen-Screening, mit dem Ziel unzulässige Beschränkungen und Diskriminierungen bestehender Systeme systematisch abzubauen, ist Bestandteil des Konzepts der EU Dienstleistungsrichtlinie.
Eine gemeinsame, mehrkanalbasierte Infrastruktur muss unter Berücksichtigung bestehender Systeme etabliert werden. Die „Einheitlichen Ansprechpartner“ sollen künftig Unternehmen der Dienstleistungsbranchen sowohl bei einem Einstieg in die Märkte anderer Mitgliedsstaaten als auch im Heimatmarkt effektiv unterstützen und aus einer Hand betreuen können. Einheitliche Ansprechpartner aus anderen EU-Staaten sollten zudem über die gleiche Infrastruktur in Kontakt mit der deutschen Verwaltung treten können. In Deutschland ist es noch vollkommen offen, welche Akteure sich als einheitliche Ansprechpartner mit welchem Aufgabenportfolio positionieren werden und wie diese in bestehende Strukturen zu integrieren sind.
Dabei wird eine konsequente Umsetzung entsprechender One-Stop-Government-Konzepte beträchtliche Auswirkungen auf die gesamte öffentliche Verwaltung (Bund, Länder und Kommunen, einschließlich der Kammern) haben, die weit über den Anwendungsbereich europäischer Dienstleistungsunternehmen hinausreichen.
Mit dem Projekt „Premium DLR“ des Fraunhofer Instituts für Offene Kommunikationssysteme soll zunächst das Verständnis für die erforderlichen Bedingungen einer erfolgreichen Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie gefördert werden. Durch Definitionen zum einheitlichen Ansprechpartner, zur technischen Architektur und zu einzelnen erforderlichen Komponenten sollen zunächst die zu erfüllenden Vorgaben konkretisiert werden.
Ziel ist es, die Voraussetzungen für eine gemeinsame, interoperable IT-Infrastruktur von Staat und Verwaltung zu klären und strategische Empfehlungen zum Vorgehen für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union abzuleiten.
In einem zweiten Schritt soll daher eine flexible Rahmenarchitektur zur technischen Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie konzipiert werden, die unterschiedliche organisatorische Möglichkeiten unterstützt. Aus der prototypischen Realisierung der Architektur sollen dann Kenntnisse für eine wirklichkeitsnahe Umsetzung in der Verwaltung und im Dritten Sektor gewonnen werden.
Die vorhandenen Erfahrungen zu E-Government, technischen Architekturen, Interoperabilität, Standards, Schnittstellen, Hochleistungsportalen und zur einheitlichen Rufnummer 115 sind wichtige Säulen zur Umsetzung der unterschiedlichen Aufgaben im Kontext der EU-Dienstleistungsrichtlinie.
FOKUS hat großes Interesse daran, dass die EU-Dienstleistungsrichtlinie fristgerecht und State-of-the-Art umgesetzt wird. Für diese anspruchsvolle Aufgabe sind Partnerschaften und institutsübergreifende Forschungsgruppen besonders wichtig. Nur gemeinsam mit der öffentlichen Verwaltung, mit Unternehmen und mit anderen Forschungseinrichtungen wird eine Realisierung gelingen, die alle relevanten Facetten der Anforderungen berücksichtigt. FOKUS sucht daher den Kontakt zu jenen Akteuren, die im Sinne von „Premium DLR“ an einer hochwertigen wie pragmatischen Lösung interessiert sind.
1. Fraunhofer Fokus realisiert mit seinem Partner Microsoft einen Prototyp zur Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie
Im Dezember 2006 wurde auf EU-Ebene der Beschluss gefasst: Ab Ende 2009 sollen Bürger und Unternehmen ihre Dienstleistungen uneingeschränkt europaweit anbieten können. Mit großem Elan bereitet sich die deutsche Verwaltung auf diese Herausforderung vor. Ein geplantes Netz „Einheitlicher Ansprechpartner“, sowie eine elektronische Verfahrensabwicklung bilden zukünftig die Grundlage zur Umsetzung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie. Dazu muss zunächst ein gemeinsames Verständnis für die technische und organisatorische Struktur in den Verwaltungen auf allen politischen Ebenen geschaffen werden.
Fraunhofer FOKUS entwickelt im Rahmen seines internen Projektes „Premium DLR“ eine Rahmenarchitektur sowie technische Lösungsvorschläge für die Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie. Begleitend ist ein erster Prototyp entstanden, der die verschiedenen Abläufe und Aufgaben eines Unternehmensansiedlungsprozesses im Rahmen der Dienstleistungsrichtlinie demonstriert.
Die Realisierung wurde mit Produkten und Technologien des eGovernment-Labor-Partners Microsoft umgesetzt.
Gezeigt wurde der Prototyp erstmals auf dem Microsoft-Event “The Government Leaders Forum-Europe” am 22. und 23.01.2008 in Berlin.
2. Fraunhofer FOKUS erarbeitet im Auftrag von ISPRAT eine Rahmenarchitektur und einen technischen Lösungsvorschlag zur Umsetzung eines einheitlichen Ansprechpartners gemäß Europäischer Dienstleistungsrichtlinie.
Die durch die EU-Dienstleistungsrichtlinie initiierten einheitlichen Ansprechpartner und die elektronische Verfahrensabwicklung werden einen ganz wesentlichen Beitrag zur Vereinfachung von Strukturen, Verfahren und Formalitäten in der öffentlichen Verwaltung leisten. Eine konsequente Umsetzung entsprechender One-Stop-Government-Konzepte wird beträchtliche Auswirkungen auf die gesamte öffentliche Verwaltung in allen Mitgliedsstaaten (nationale, subnationale und kommunale Ebene) haben, die aus unserer Sicht weit über den Anwendungsbereich europäischer Dienstleistungsunternehmen hinausreichen.
Ziel des zunächst auf ein Jahr ausgerichteten Projekts ist es, eine Rahmenarchitektur zur technischen Umsetzung von einheitlichen Ansprechpartnern unter besonderer Berücksichtigung des vertikalen Mehrkanalansatzes zu konzipieren. Eine prototypische Realisierung der Architektur oder eine umfassende Umsetzung der Rahmenarchitektur könnte in Folgeprojekten realisiert werden. Ergebnisse werden zudem direkt in das Deutschland-Online-Vorhaben „IT-Umsetzung der EU-DLR“ einfließen und sollen – unabhängig von einer eigenen Veröffentlichung - auch Bestandteil der dortigen Zwischen- und Abschlussberichte werden.
Mehr Informationen finden Sie rechts als pdf zum Download.
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